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Seichte Gewässer und harte Realität

Seichte Gewässer und harte Realität

Seichte Gewässer und harte Realität

Hallo liebe Leser,

nachdem wir die Zwiebelsamenernte erfolgreich abgeschlossen hatten, unsere Klamotten jetzt nach dreimal Waschen und Einweichen immer noch nach Zwiebel stinken, ging es für uns weiter durch das wohl schönste Land der Welt. Unsere Mitbewohner sind einen Tag vor uns in Richtung Wellington/Nordinsel aufgebrochen. Wir zogen los und unsere nächsten Anlaufpunkte sollten die Nelson Lakes werden. Der Nelson-Lakes-Nationalpark ist ein über 1000 km² weitläufiges Gebiet, welches sich über den nördlichen Teil der neuseeländischen Alpen erstreckt. Er beinhaltet die beiden großen Seen Lake Rotoiti und Lake Rotoroa. Wir besuchten zuerst Lake Rotoiti. Das Wetter spielte nicht wirklich mit, was den Besuch aber nicht weniger magisch machte. Man hat einen wundervollen Blick über den Gebirgssee, eingebettet zwischen den faszinierenden Bergen und dem beeindruckenden Wolkenspiel. Am See entlang führen verschiedene Wanderwege, wir entschieden uns für einen einstündigen Spaziergang entlang des Ufers.

Danach verschlechterte sich das Wetter noch ein wenig mehr, sodass wir am Lake Rotoroa nur fix, wegen des Regens und der gefühlten 3 Millionen Sandflies, die schon wieder unsere Knöchel im Visier hatten, für einen Fotostopp raussprangen.

Nach einigen Kilometern an gefahrener Strecke, sahen wir ein kleines Hinweisschild am Straßenrand „Maruia Falls Scenic Reserve“. Da Marcel eine kleine Schlafmütze ist und wir im Auto beide ein wenig an Sauerstoffmangel litten, machten wir eine kurze Pause und watschelten entlang der Maruia Falls. Hierbei handelt es sich um einen Wasserfall, der 1929 durch ein Erdbeben entstand. Dabei senkte sich der Unterlauf des Flusses einen Meter ab, welcher durch die Erosion und die Setzung des Bodens heute ganze 10 Meter misst.

Danach ging es für uns weiter zum Zeltplatz. Diesmal ein vom DOC betriebener (Behörde des öffentlichen Dienstes, die sich mit dem Naturschutz befasst). Die Campingplätze haben den Vorteil, dass sie zum einen sehr günstig und manchmal sogar kostenfrei sind und zum anderen meistens nicht von Touristen überlaufen, etwas abgelegener und dafür mit mehr Natur und grandiosen Ausblicken gespickt sind. Nachteile der Campingplätze sind, dass es lediglich ein Plumpsklo und keinerlei Duschen gibt, aber für echte Camper und Naturliebhaber ist auch das kein Problem! 😀

Am nächsten Tag ging die Reise für uns weiter nach Hanmer Springs, einem kleinen verschlafenen Bergdörfchen mit einem bekannten Thermalbad. Das Dorf wurde im späten 19. Jahrhundert um die Thermalquelle erbaut und ist zugegebenerweise heute nicht mehr allzu verschlafen. Es ist ein beliebtes Ausflugsziel für Touristen, zum Baden, Wandern oder Skifahren. Für uns waren die heißen Quellen inklusive Rutschen geradezu wie geschaffen nach einer anstrengenden Fahrt und einer etwas unbequemen Zeltnacht. Die fehlende Dusche auf dem Campingplatz konnten wir hier direkt nachholen und den Tag in bis zu 42° warmen Sulphurbecken und anderen Pools genießen.

Im Video könnt ihr uns beim Rutschen in Action sehen. 😀 Natürlich sind die Rutschen nicht ansatzweise so gut und schnell wie im von uns besuchten Siam Park auf Teneriffa, aber zum Rumlümmeln in den heißen Quellen eine tolle Abwechslung!

Nach dem Sonnenbad und den erholenden Gewässern ging es für uns weiter zum nächsten Campingplatz in der Nähe von Culverdon, auch diesmal ohne Dusche, allerdings mit mindestens genauso schöner Umgebung und mit weniger Sandflies. Die Biester nerven uns ganz schön und scheinen auch unserem Anti-Insektenspray zu trotzen. Auf der zurückgelegten Strecke der letzten Tage hat man einen wunderschönen Blick auf die umliegenden Berge. So macht das Autofahren gleich noch mehr Spaß und ist ein wenig angenehmer als 100 km graue Autobahn mit Leitplanke.

Nach unserem kleinen Roadtrip durch die nördliche Bergregion der Südinsel setzten wir die Reise Richtung Kaikoura fort, einer schönen Stadt, gelegen zwischen majestätischen Bergen und rauer See. Kaikoura ist vor allem bekannt für Robben, Wale und Delfine. Ersteres mussten wir uns direkt genauer ansehen. Am Ohau Point etwas außerhalb von Kaikoura tummeln sich dutzende Robben, faulenzen am Strand oder springen hyperaktiv im Wasser umher. Niedlich die kleinen Tierchen, vor allem die jüngeren Exemplare sind ziemlich goldig. 🙂

Hier noch ein kurzes Video, in dem ihr die niedlichen Tierchen begutachten könnt. 🙂

Nach diesem klasse Stopp ging es für uns auf Hostelsuche, da die Wetterprognose für diesen Abend nicht für unser Zelt geeignet war. Nach erfolgreicher Suche machten wir einen kleinen Stadtbummel, arbeiteten ein wenig in unserem mobilen Reisebüro und besuchten abends noch das Kino und sahen uns den Film „Jupiter Ascending“ an.

Neuer Tag, neues Ziel. Diesmal: Christchurch. Nach einigen Stunden Fahrt kamen wir endlich an und nahmen uns zuerst die Innenstadt vor. Beängstigend, leer, leise und geisterhaft. So unser erster Eindruck der Innenstadt. 🙁 Beim großen Erdbeben im Februar 2011 kamen 185 Menschen ums Leben und große Teile der Innenstadt wurden verwüstet. Darunter auch viele historische Gebäude, wie die auf dem Bild gezeigte ChristChurch Cathedral. Schätzungen zufolge sind 100.000 Wohnhäuser reparaturbedürftig. Innerhalb der ersten Woche nach dem Beben verließen rund 70.000 Menschen die Stadt.

Es gibt auch Teile der Innenstadt die gänzlich unversehrt sind. Die Häuser in den Vororten von Christchurch, jedenfalls welche wir gesehen haben, sind nicht so stark betroffen oder schon erneuert worden. In der Stadt gibt es viele weitläufige Parkplätze, vor ein paar Jahren standen dort noch Gebäude. Es wurde schon viel getan in der Stadt und man sieht ziemlich viele Bauarbeiter auf den Straßen. Überall hört man Presslufthämmer, Dampfwalzen und andere Werkzeuge. Auch die einschlägigen Job-Seiten im Netz geben eine Auskunft darüber, wie viele Arbeiter hier am werkeln sind, um die Stadt wieder aufzubauen und die Schäden zu beseitigen. Aber auch im tristen Grau der Stadt lassen sich Schimmer der Hoffnung finden; wie zum Beispiel in der bunten Containerstadt, die eine Art Einkaufsmeile darstellt. Das bringt Farbe und neuen Mut!

Im Moment sind wir bei einer freundlichen Dame + Kind untergekommen, wo wir die nächsten Tage bleiben. Mit diesen Eindrücken verabschieden wir uns ins Wochenende und sind gespannt, was wir in den nächsten Tagen erleben. 🙂

Viele Grüße aus Christchurch
Torsten & Marcel

16 thoughts on “Seichte Gewässer und harte Realität

  1. Marion Schepp

    Hallo ihr beiden Lieben, daumenhoch (y) für diesen weiteren supertollen Blogeintrag, den wunderschönen Aufnahmen, den sehr schön verfassten Text und beiden tollen Kurzvideos dafür noch ein Extradaumen (y) und die kleine Robbe „Massi“ 😉 😀 einfach wieder umwerfend schön 🙂 vielen Dank ihr Lieben und weiterhin viele erlebnisreiche Momente, sowie nette Menschen und ganz viel Spaß 🙂 hab Euch lieb <3 und freue mich schon auf das nächste skypen, umarme Euch mal ganz fest und liebe Grüsse Eure Mama Marion 🙂

    1. Torsten & Massimo Post author

      Super, dass es dir wieder gefallen hat. 🙂
      Wir freuen uns auch schon aufs Skypen, sobald unsere Internetanbindung wieder besser ist.
      Liebe Grüße und bis bald. <3

  2. Jobst Mahrenholz

    Das Erdbeben hatte ich völlig ausgeblendet 🙁 Ein sehr eindruckvoller Bericht, mal wieder. Das wird spannend, am Ende eurer Reise das ganze mal chronologisch durchzulesen. Es ist auch ein bisschen eigenartig, weil man hier, im Alltag im Grunde jeden Tag so sein ‚Ding‘ macht. Ich sitze eigentlich immer an genau der selben Stelle, wenn ich eure Erlebnisse verfolge, und ihr stolpert da von einem Abenteuer ins Nächste. Liebe Grüße, genießt es 😀

    1. Torsten & Massimo Post author

      Das war schon ziemlich beeindruckend und gruselig, die Innenstadt so zu sehen … Mal sehen, welche Ecken wir von Christchurch noch sehen, dann kommen sicherlich auch noch lebendigere Fotos! 🙂
      Wir lieben diese Freiheit, jeden Tag etwas Neues zu erleben. Macht man ja nicht alle Tage und dann ist zu Hause, wie du bereits sagst, die Sache mit dem Alltag. Wir genießen es, solange wir noch können. 🙂
      Liebe Grüße nach Deutschland!

    1. Torsten & Massimo Post author

      Süß oder? By the Way: wir haben nichts geändert. Alles beim Alten, keine Ahnung wo das Problem lag 😮

  3. Christoph Maier (@christophdmaier)

    Für mich waren die DOC-Campingplätze mit die besten Übernachtungsorte, v.a. aus den von euch beschriebenen Gründen. Ruhe und Natur, sonst nichts. Ich habe es immer ganz besonders genossen, dort mein kleines Zelt aufzuschlagen und nur für mich sein zu können.

    Und ge-WOOFt hab ich auch, allerdings nicht so intensiv wie ihr beide. Tolle Erfahrung, wie ich finde, und eine gute Möglichkeit, sein Budget zu schonen.

    Schreibt weiter so schön, ich les euch immer gern und schau mir eure tollen Bilder an!

    1. Torsten & Massimo Post author

      Hallo Christoph,
      Ja da hast du vollkommen recht. Wir werden probieren auch in Zukunft mehr von diesen Campingplätzen mitzunehmen. 🙂 Wann und wie lange warst du denn in Neuseeland?
      Wir haben jetzt schon eine ganze Weile nicht mehr gewwooft, werden das aber demnächst mal wieder in Angriff nehmen. 🙂
      Liebe Grüße und danke für das Lob!

      1. Christoph Maier (@christophdmaier)

        Ich war 1999/2000 (zur Millennium-Wende!) für 6 Monate in NZ. Zwei Monate war ich als Assistant Teacher in Wanganui und bin danach mit meinem kleinen Auto durch NZ gereist – insgesamt ca. 11 000 km…;-) Wie gesagt, ich war insgesamt ca. 3 Monate alleine unterwegs, bin viel gewandert, habe ein, zwei mal gewooft und habe die Natur und Gastfreundschaft des Landes sehr genossen. In Wanganui habe ich sogar Handball gespielt, und dadurch auch viele Einheimische Leute kennengelernt. Und Wanganui ist nun auch nicht das touristische Zentrum des Landes, wodurch ich Land und v.a. Leute noch besser kennenlernen konnte.

        Insgesamt eine umwerfende Erfahrung damals für mich, wie für euch auch sicherlich…;-)

        1. Torsten & Massimo Post author

          Hallo Christoph,
          In Wanganui waren wir selber noch nicht, werden wir aber auf unserem Rückweg besuchen. Wie sieht’s denn mit der Reiselust aus? Hat es dich seitdem noch mal nach Neuseeland gezogen oder hast du es noch vor? 🙂 Wir sind von der Natur und Gastfreundschaft genauso begeistert und genießen jeden einzelnen Tag! Viele Grüße aus Christchurch.

          1. Christoph Maier (@christophdmaier)

            Die Reiselust ist unverändert da, allerdings hat sich die mit drei Kindern verlagert auf Deutschland, Dänemark, Österreich, Schweden usw. Fliegen ist leider zu teuer mit 5 Personen, aber das Campen werden wir diesen Sommer in Schweden intensivieren.

            Neuseeland möchte ich irgendwann auf jeden Fall noch mal einen Besuch abstatten, mal schauen, wenn die Kids aus dem Haus sind vielleicht…;-)

            Grüßt mir Wanganui schön von mir! Die schwarzen Strände an der Westküste sind schon schön. Und auch die Wanderungen im Whanganui NP sollen toll sein! Dann sicherlich weiter zum Mt. Taranaki, nehme ich an, oder?

          2. Torsten & Massimo Post author

            Wanganui und den Mt Taranaki werden werden wir uns erst auf dem Rückweg, so gegen Juli, vornehmen. Momentan sind wir in Timaru und fahren in den nächsten Tagen Richtung Dunedin.
            Deutschland, Österreich, Schweden und Co. sind ja aber auch immer eine Reise wert! 🙂 Dann wünschen wir euch ein paar schöne Familienurlaube und vielleicht sieht man sich eines Tages auf der nächsten Neuseelandreise wieder 😉
            Liebe Grüße aus Timaru.

  4. ninasneuland

    Hallo ihr zwei ;),
    das Foto mit dem Steg in den See ist der Hammer!
    Ach ja, Christchurch…es ist echt schade, dass diese wundervolle Stadt so zerstört wurde :(.
    Ich fand es beim ersten mal, ein Jahr nach dem Beben, schon schlimm und hatte gehofft, dass es nach drei Jahren etwas besser ist. Leider war das nicht der Fall, als Lea und ich im Januar da waren.
    Lg und lasst es euch gut gehen :*

    1. Torsten & Massimo Post author

      Hallo Nina,
      Dankeschön, es war wirklich magisch dort. 🙂
      Ich denke mal es ist schon eine Menge repariert worden und bei den Vororten sieht man keinerlei Anzeichen für ein da gewesenes Erdbeben, aber das Zentrum wirkt zum Teil ziemlich gespenstig.

      Liebe Grüße zurück! :-*

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